Nachdem Edgar und Josef erfolgreich Go Kurse im Zürcher Club gegeben haben, wollte ich mich auch mal versuchen. Natürlich habe ich das ganze zuerst ausgeschrieben und Wunder geschehen: Thomas meldete sich. Schnell konnten wir uns einigen, dass er den Anfänger-Kurs und ich den für interessierte Clubmitglieder (Fortgeschrittene?) halten werde.
Der Extra-Raum war schnell reserviert und ich machte mich schon bald an die Vorbereitung des Kurses. Der erste Abend sollte natürlich mit Fuseki starten, doch irgendwie bin ich noch auf die Idee gekommen zuerst die Eckzüge (Komoku, Hoshi, Takamoku, etc. …) dranzunehmen, denn ich habe erst letzthin Yilun Yangs “Fundamental Principles of Go” gelesen und er fängt auch damit an! Yang’s Prinzipien helfen auf einfache Weise ein bisschen das Feeling für die verschiedenen Situationen zu kriegen und einem ein paar einfache Ideen fürs Spiel zu geben. Die Übungen aus dem Buch waren auch sehr für den Kurs geeignet.
Nach dem zweitem Abend mit Yilun Yangs Buch zum Thema Ranking of big Opening Moves, wollte ich nicht länger an dem Buch kleben bleiben und um ehrlich zu sein, waren es mir doch auch plötzlich zu viele und immer schwierigerwerdende Prinzipien, als dass ich mich jeweils bei der freien Anwendung derselben genug sicher gefühlt hätte um vor kritischen Zuschauern zu bestehen.
An den folgenden Abenden gab es deshalb einen Wechsel in die verschiedenen Eröffnungen. Zuerst eine Einführung in die Welt von Takemiya Masaki: San-Ren-Sei und für den Go Club Zürich selbstverständlich das Clubfuseki: Hon-Ren-Sei. Als 1ster Dan stand ich natürlich immer ein bisschen vor dem Problem, dass die Kursbesucher schlicht an meinen Demonstrationen zweifeln könnten, daher war ich sehr froh und dankbar, dass man im Fuseki eigentlich nicht viel falsch machen kann, wenn man den Stoff etwas vorbereitet hat.
Nach einem Abend chinesischer Eröffnung, gab’s noch ein obligatorisches Seminar zu den wichtigsten Josekis und dann konnte ich endlich mal einen Abend abgeben und ein bisschen pausieren. Andreas hat offeriert einen Vortrag über Endspiel zu machen. In seinem Vortrag Das Endspiel – mathematisch betrachtet zeigte er nicht nur die elementaren Vorgehensweisen beim Abwägen der Grösse von Endspielzügen, sondern auch anhand von statistischen Resultaten welche Methoden wohl die besten sind um zum richtigen Resultat zu kommen.
Vom Fuseki direkt ins Endspiel springen scheint auf den ersten Blick etwas abrupt, aber im Grunde gibt’s in der Art wie man im Fuseki spielt sehr viele Parallelen zur Art wie man das Endspiel anpackt. Bei beiden ist die Theorie einfach verständlich und auch schnell anzuwenden. Im Mittelspiel hingegen kommt man eher mit schwierigen Prinzipien wie Sabaki, Aji, Kikashi, uvm. in Kontakt, die vielleicht nicht schwieriger anzuwenden sind, aber es ist sicher schwierig mal kurz an einem Abend so ein Thema vorzustellen und gut zu vermitteln.
Klar auch das Endspiel ist nicht einfach! Andreas hat in seinem Vortrag schön gezeigt wie “NP vollständige Probleme” im Endspiel des Go vorkommen und was es damit auf sich hat. Auch ich habe schnell bemerkt, dass meine Kenntnisse vom Endspiel mehr mit Abschätzen und Raten was zu tun hatten, als dass ich die Resultate der verschiedenen Zählweisen “Dieri” oder “Miai” aus dem Ärmel hätte schütteln können! Am zweiten Abend zum Thema Endspiel habe es aber auch ich geschafft das Thema so gut zu beherrschen, dass ich mit ziemlicher Sicherheit, einfache Endspielzüge schnell mit der richtigen Punktezahl versehen konnte.
Die letzten 3 Kursabende zum Thema Mittelspiel, habe ich zuerst noch mit Mittelspieljosekis versucht theoretisch oder sagen wir mal fallspezifisch anzugehen um dann mit Mithilfe von Josef 3 Dan und Cornel Burzo 6 Dan, meinem Online-Go-Lehrer, Partiebesprechungen unter jeweils einem führenden Thema – einmal “Kontrolle” und einmal “Aji” – zu machen.
Nun, was geht in einem Go-Kurs? Als Lehrer kann ich nur empfehlen sich gut vorzubereiten. Es spielt nicht so eine Rolle wie stark man selber spielt, sondern mehr wie man das Thema anpackt, wie man den Spannungsbogen spannt, damit die Teilnehmer die Aha-Erlebnisse bekommen, die ihnen das vermittelte Wissen einprägen. Wichtig neben der guten Vorbereitung des Kursleiters ist auch eine ungestörte konzentrierte Atmosphäre. In den jeweiligen Diskussionen wie nun etwas einzuschätzen oder wo der bessere Zug zu suchen sei, kann man sehr viel vom Verständnis der anderen Kursteilnehmer lernen und klar am Ende ist es für die Schwächsten im Kurs fast am schönsten, weil sie von allen anderen was profitieren können, wobei wenn sie sich mal selbst äussern vllt doch auch den einen oder anderen Rückschlag erleben, weil sie gleich von mehreren “Stärkeren” widerlegt werden.
Für die nächste Kursreihe, habe ich mir vorgenommen die lernwilligeren Teilnehmer etwas mehr zu fordern, d.h. mehr Aufgaben verteilen, vor den Kursabenden die jeweiligen Leute auch gegeneinander spielen lassen und die Partien dann im Kurs besprechen. Mit Hilfe einer Mailingliste kann man eigentlich unbeschränkt viele Aufgaben den Schülern mitgeben, um dann im Kurs nur diejenigen zubesprechen, die am meisten Schwierigkeiten gemacht haben! Aber keine Angst, für alle, die den Kursabend unvorbereitet geniessen wollen, soll er immer noch genau so interessant bleiben auch ohne Vorbereitung oder gemachte Aufgaben!

